Weinlese 2011

Das frühe Rebenjahr zog sich bis zur Ernte hin, so dass am 23.September (bei uns ca. 10 Tage  früher als im Langjährigen Durchschnitt) die Ernte mit dem Riesling-Sylvaner starten konnte. Es war kein freudiger Start für die Wimmler- Equipe, die sich mit Trauben konfrontiert sah, die von Wespenfrass, Essigbeeren und faulem befallen waren! Nein das war wirklich kein „Schleck“ und die Wimmler wurden zusätzlich noch mit Wespenstichen bestraft. Das Traubengut musste akribig genau gesöndert werden, was zu doppelt so langer Leseleistung führte als im Vergleich zum letzten Jahr! Grund dafür; ein Wespenjahr wie es schon lange nicht mehr gab! Die frühreifen Sorten wie eben der Riesling-Sylvaner ist, wurde von den Wespen bevorzugt. So fragten sich bereits einige der Wimmler-Leute nach den ersten zwei Wimmler- Tage was noch zu erwarten ist von dem was noch zu Ernten ist.

So ging es am Montag den 26.September  mit den weissen Sorten Chardonnay, RxS und Pinot Blanc in Quinten weiter. Dank frühem Netzen gegen Vogelfrass hatten wir dieses Jahr doch schon einen Erfreulichen Ertrag und die Qualität stimmte auch. Auch hier hatten wir mit Wespenfrass zu kämpfen, mehr im RxS, als  mit den anderen Sorten. Am 29. September  ging es mit dem Pinot Noir in Quinten weiter. Mit 96°Oe.,  einer guten Reife und schönen Frucht- Aromen ernteten wir mit Sonnenschein wie man es sich Wünscht! Es passte einfach alles, auch der Ertrag, was uns fast zu Transportschwierigkeiten brachte! Einzig auch hier hatten wir mit den Essigbeeren zu kämpfen und wir mussten sauber und exakt Söndern.

Nun hatten wir ein paar Tage Zeit, im Keller das eingebrachte zu Verarbeiten. Die Wetterlage versprach ein Hoch für einen längeren Zeitraum was uns den Druck nahm schnell zu Ernten. Mit dem 2. und 3. Oktober ging es mit dem Pinot Gris, Chardonnay Jung-Anlage und Sauvignon Blanc Vorlese (und schnitten alle faulen raus, damit die gesunden nicht angesteckt werden) weiter. Der  Pinot Gris machte den Wimmern wieder mehr Arbeit. Viel Essigbeeren und Botrytis verursachte doppelt so langer Zeitaufwand. Umso mehr die Freude herrschte bei den Wimmlern, als sie durch  unsere Chardonnay Jung-Anlage konnten, die im dritten Standjahr ihre ersten Trauben im strahlenden Sonnenschein, gesund und von bester Qualität von sich gaben. Die 371kg wurden in Windeseile gewimmelt!  . Ab dem neuen Jahrgang werden wir also etwas mehr Chardonnay haben und können so die jeweils grosse Nachfrage nach unserer Weissen Spezialität etwas decken.

Der 4./5./ und 6. Oktober war unsere Hauptlese des Pinot Noir zu verzeichnen. Am 6. Oktober wurde dazwischen auch noch der perfekt gesunde Chardonnay gewimmelt.  Bei Herrlichem Herbstwetter und  milden Temperaturen.  Wenn da nicht diese  Essigbeeren  uns Winzer in ganz Graubünden ausser Atem hielten und bei manchem auch unruhige oder gar schlaflose Nächte verursachte, wäre es ein Schuljahrgang gewesen. Einfach Perfekt! Die Trauben waren schön, gute phänologische reife und auch die Zuckerwerte versprechen  mit 100°Oe im Durchschnitt für einen ausgezeichneten Pinot Jahrgang zu werden. Einzig die Säuren waren etwas tiefer als in den letzten Jahren, was aber noch nicht gross zur Besorgnis führt. Die Wimmler  mussten wie schon bei den Weissen und Roten gewimmelten Trauben exakt und sauber Arbeiten. Jede Traube musste gut angeschaut, gedreht werden und wenn es auch nur eine Essigbeere hatte, gesöndert werden. Am Abend rochen die Hände zum Teil stark  nach Essig! Drei Tage, was letztes Jahr in rund einem Tag gewimmelt wurde brauchte dieses Jahr mehr als das doppelt so lange!!! Winzer älteren Jahrganges aus der Region hätten  Essigbeeren  in diesem Ausmass noch nie erlebt!!!

Wie kam es dazu; Verletzte Beeren sind Voraussetzungen für den Befall von Essigfäule. Bereits kleine Risse in der Beerenhaut genügen. Wegen der Niederschläge in den Tagen vom 17.-19. September haben die Beeren an Grösse zugelegt. Durch das enorme Beerenwachstum haben sich kleine Risse, die mit blossem Auge nicht zu sehen sind, in den Beerenhäuten der Blauburgundertrauben gebildet. Wunden sind Voraussetzung für die Infektion mit wilden Hefen und Essigbakterien. Wilde Hefen vergären den Traubenmost in den verletzten Beeren. Dabei entsteht Alkohol, der seinerseits durch Essigbakterien in Essig umgewandelt wird. Essigfliegen können Essigbakterien übertragen. Im Fruchtfleisch sind kleine, ca. 5 mm lange, weissliche Maden der Essigfliege zu sehen, die sich nach ihrer Entwicklung auf der Aussenseite der Beerenhäute verpuppen.

Was hiess das nun für den Keller?  Die Gärung musste schnell eingeleitet werden, damit sich die Essigbakterien nicht vermehren konnten. Essigbakterien sind Aeroben, das heisst sie entwickeln sich mit Sauerstoff. Eine schnelle Gärung nimmt den Bakterien durch die entstehenden Gärgase den Sauerstoff weg. Also war dieses Jahr nicht an Spontane Gärung zu denken. Ausser es wird übermengen an Schwefliger Säure gleich beim Ein Keltern gebraucht, was auch nicht unsere Philosophie ist, oder mit etwas Geduld, Zeit und Risikobereitschaft wie es sich noch herausstellte.

Kellertechnisch mussten wir eine acht Tägige Pause machen. Es war immer noch rund einen halb Hektare zu Wimmeln! Wetter?  Es meinte es gut mit uns. Danke all denen die ihre Suppen gut ausgelöffelt haben… ;-) In diesen Tagen gab es auch kühle Nächte was auch  auf die Fruchtaromen sich positiv auswirkte.

Am 14. Oktober lasen wir den Sauvignon Banc mit  95°Oe., einer satten Säue und wunderschönen Fruchtigen Aromen von Lychée und Grapefruit. Qualität und die Menge (660g/m²) stimmte uns Freudig. Nach dem SB ging  es an die letzten Pinot Noir Trauben die wir am Folgetag dann noch fertig Wimmelten. Die kühlen Nächte und das trockene Wetter verhalfen den Essigbeeren zu trocknen und  liessen sich  so besser zu söndern.  Dies verleitete mich den Versuch zu machen die letzten Pinot (Bio Dynamisch, 0.5ha) Trauben mit Wilden Hefen zu vergären. Das Risiko zahlte sich aus! Im Analysen Bericht von den eingereichten Mustern ins Labor der Agroscope Wädenswil,  waren die Werte der flüchtigen Säure nicht höher als die, die mit Reinzuchthefen vergoren wurde. Im Gegenteil, die aus der Bioparzelle weisen gar einen tieferen Wert aus und erfreulicherweise auch erhöhte Säurewerte.

Der Schluss der Diesjährigen Ernte machte der Dornfelder und Merlot am 17. Oktober. Der Dornfelder liess zu wünschen übrig und verlangte von den Wimmlern nochmals alles und viel Geduld sich mit diesen „miserablen Trauben“  auseinander zu setzten. Faules, Essig, Lahmstieler es hatte fast alles zu bieten! 6% weniger Ertrag als letztes Jahr. Zum Abschluss aber dann noch ein „Zückerchen“  für die Leseequipe; der Merlot. Sauber, ohne faules gute reife schöne Trauben. Als die Frage aufkam beim eindämmern der Dunkelheit ob es Ihnen ev.  was ausmache den Merlot noch fertig zu Wimmeln? Keiner der Wimmler wollte aufhören. Nein, wir machen den Merlot noch fertig, war von allen Seiten zu hören! Mit 478g/m² und 94° Oe waren wir auch sehr zu frieden. Ein würdiger, freudiger Abschluss. An dieser Stelle möchte ich mich auch für das grossartig Geleistete aller Wimmler dieses Herbstes ganz Herzlich zu bedanken! Der Cabernet x Sauvignon wie immer als letzten mit unserer eigener Kellercrew und Angestellten am 24. Oktober bei traumhaftem, herrlichem Herbstwetter gewimmelt mit ( 359g/m²) und 92°Oe.

Eine Ernte wie ich sie so schnell nicht vergessen werde! Zum einten der ganze Vorfall im Vorfeld der Ernte, und zum anderen die grosse Herausforderung an die ganze Leseequipe nicht nur an einem Tag konzentriert und sauber zu Arbeiten hatten, nein an allen 13 Lesetagen! Das was nun im Keller gedeiht macht grosse Freude und zeigt wie wichtig es ist, die Leseequipe gut zu instruieren und auf langjährige Mithilfe zählen zu können die mit der Philosophie des Weingutes gut vertraut ist. Herzlichen Dank!

Auch dem Wetter sei Dank! Nicht auszudenken was passiert wäre, hätte es dazwischen auch noch geregnet…!!!

Marco Casanova